Ratgeber Guter Text: Die gute Pressemeldung

ein Stempel mit der Aufschrift "für die Presse"Was macht eine gute Pressemeldung aus? Es sind viele Faktoren, die eine gute Meldung von einer sehr guten unterscheiden. Wortwahl, Sprachstil, genereller Nachrichtenwert der Information, um nur einige zu nennen. Es gibt jedoch nur einen einzigen Faktor, der die Spreu vom Weizen trennt. Ein Thema kann noch so interessant sein, wenn dieser Faktor missachtet wird, ist die Meldung schlecht. Die Rede ist vom Aufbau der Meldung.

Klingt unspektakulär? Ist es auch, doch die Wirkung ist unvergleichlich. Der Grund dafür ist der Journalist selbst. Der gemeine Journalist ist ein Arbeitstier und an nichts mangelt es ihm mehr, als an Zeit. Und das will schon was heißen in Zeiten, in denen die meisten Journalisten Zweit- und Dritt-Jobs brauchen, um eine Familie ernähren zu können.

Dem Journalisten fehlt die Zeit und dementsprechend auch der Nerv lange in einem Text nach einer Information zu suchen. Um so wichtiger ist es dem Kollegen von der schreibenden Zunft, dass er die Informationen, die er für seinen Job braucht, sofort findet. Dafür wurden vor Urzeiten die sogenannten W-Fragen entwickelt; wer, wann, wie, wo, warum, wieso und wozu. Werden sie beantwortet, weiß jeder Journalist, ob er den Rest der Pressemeldung noch lesen möchte/sollte oder nicht.

Je nach Nachricht sind die einzelnen W-Fragen wichtiger oder unwichtiger. Wenn eine Meldung den Inhalt hat, dass Merkel heiratet, dann sind „Wer“ und „Was“ die Kernfragen. Das „Wozu“ ist in dem speziellen Fall sicher auch interessant, aber doch zu vernachlässigen. In anderen Pressemitteilungen ist vielleicht das „Wo“ viel wichtiger als andere Faktoren.

Jeder PRler sollte das wissen. Viele tun es auch. Dennoch lese ich immer wieder Meldungen, die dieses löbliche Grundprinzip journalistischer Arbeit nicht kennen oder nicht verstanden haben. Hier ein paar Beispiele, die ich ohne böse Absicht openpr.de entnommen habe. Die erwähnten Unternehmen mögen mir verzeihen.

Fundstück #1: Fronius lässt Fragen offen

Fronius ist für die Zukunft gerüstet

Auch in turbulenten Zeiten erweist sich der Qualitätsführer Fronius als ein Fels in der Brandung. Der 512 m² große Messestand auf der Intersolar 2012 war mehr als gut besucht. Vor allem das Fronius Haus der Zukunft, ein Pilotprojekt in Form eines energieautonomen Einfamilien-Wohnhauses, erregte das Interesse der Messebesucher.

Was ist hier eigentlich von Belang? Bestimmt nicht die Headline. Die eigentliche Nachricht – auch wenn sie sehr soft ist – ist, dass Fronius auf der Intersolar war.

Fundstück #2: Bloss nicht sagen, worum es geht

So teuer kann Sünde sein

Berlin, 20.06.2012. Der Sommer naht und damit auch die Ferienzeit. Viele Urlauber werden wieder in einem anderen europäischen Land mit dem Auto unterwegs sein. Während früher Verkehrssünden oft unbestraft blieben, ist aufgrund eines EU-Beschlusses dies nun nicht mehr so. Danach können die Länder, in denen gegen die Verkehrsordnung verstoßen wurde, andere Mitgliedstaaten, also auch Deutschland, auffordern, das Geld beim Verkehrssünder einzutreiben. Da können kleine Delikte wie das falsch abgestellte Auto schnell teuer werden – so muss man in Ungarn dafür bis zu 110 Euro bezahlen. Besonders hohe Strafen drohen bei zu hoher Geschwindigkeit und auch beim Überfahren einer roten Ampel. Jedes Land hat seine eigenen Gesetze – gleich ist aber, dass erst ab einem Betrag von 70 Euro das Geld im Ausland eingetrieben werden kann. Jedoch bedeutet ein nicht erhaltener Bescheid nicht, dass man ungeschoren davon kommt. In einigen Ländern wie Italien gibt es eine längere Verjährungsfrist als in Deutschland, so dass man hier gegebenenfalls bei der Wiedereinreise belangt wird. Auch bei Verkehrsverstößen in Österreich muss man aufpassen, denn zwischen Deutschland und Österreich gibt es ein Gegenseitigkeitsabkommen, so dass schon Beträge ab 25 Euro eingetrieben werden. Eine genaue Übersicht, wo in der EU wofür wieviel zu berappen ist, liefert Europa-Kontakt jetzt auf seiner Internetseite.

Eigentlich wollte man Journalisten wissen lassen, dass es eine Übersicht gibt. Im Internet. Auf einer Webseite. Schade nur, dass soviel Blabla davor steht und die Nachricht total verdeckt.

Fundstück #3: Ein positives Beispiel zum Ausgleich

Prinzessin Ursula von Bayern ist neue Schirmherrin von Power-Child e.V.

Prinzessin Ursula von Bayern, bekannt für ihr langjähriges und außergewöhnliches karitatives Engagement, übernimmt ab Juni 2012 die Schirmherrschaft des gemeinnützigen Vereins Power-Child e.V.

So macht das Ganze doch Spaß. Wer? Prinzessin Ursula. Was? Sie ist die neue Schirmherrin. Warum? Sie ist bekannt. Wann? Juni 2012 – also jetzt. Na bitte, es geht doch.

Bildquelle: Rainer Sturm  / pixelio.de

Über Jan Saarmann

Melange aus PR-Berater, SEO-Consultant, Journalist, Bücherwurm, Gitarren-Dilettant, Kulinariker und Spiele-Liebhaber (analog wie digital). Je nach Tagesform, Zeit und Laune verschieben sich die Ausprägungen der einzelnen Bestandteile.

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