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How-not-to: Relaunch von Fink & Fuchs

Gestern stolperte ich über einen Tweet von @stephanfink, seines Zeichens Chef einer der renommiertesten Agenturen in der deutschen Landschaft, erst Recht, wenn es um IT-Themen geht.

 

Neugierig wie ich bin, schaute ich mir die neue Seite an. Sie ist optisch sehr gelungen, sieht sehr aufgeräumt aus und kommuniziert visuell mit hochwertigen Videos, die auch recht fix laden. Soweit also alles in Ordnung. Zwei Dinge, die ich an dieser Stelle immer checke, sahen jedoch nicht so gut aus.

Zum einen checkte ich mit einem der 5 kostenlosen SEO-Tools, die eigentlich Geld kosten sollten die Redirects der Standard-URLs und zwei Dinge stachen ins Auge.

Warum 302? Und was ist mit HTTPS?

Redirect-Massaker beim Relaunch

Die neue Webseite benutzt ein Regionalverzeichnis als Root, also URL.TDL/de/. Die obenstehenden URLs werden per 302 auf /de/ weitergeleitet, was sehr problematisch sein kann. Der 302 ist in SEO-Kreisen berüchtigt, u.a. da er keinen Linkjuice weiterleitet. Die https-URLs werden von httpstatus.io häufig nicht richtig aufgelöst, weshalb mich der Error nicht weiter wunderte.

Also ging ich über zum nächsten Schritt: Überprüfen der URLs im Index. Mit „site:ffpr.de“ liefert Google die URLs aus, die von der Domain im Index stehen. Auffällig: sehr viele Ergebnisse auf der ersten Seite verwiesen auf SSL-verschlüsselte Seiten (also https), während ich beim Besuch der Domain nichts von SSL sehen konnte. Die Klicks auf die Ergebnisse offenbarten große Lücken im Relaunch-Konzept:

Nur 3 der 10 URLs auf der ersten Seite lieferten überhaupt ein Ergebnis. Zwei davon leiteten gut auf eine sinnige Seite weiter, die dritte produzierte eine interne Suchseite. Als besonderes Schmankerl zeigt Google dann noch das hier auf Platz 10 an:

Webseite gehackt?

Dieser nette Vermerk von Google ist sicherlich nicht dazu geeignet, das Vertrauen des Users in die Webseite zu erhöhen. Aber da ist doch nichts dran oder? Pustekuchen! Eine Google-Suche mit „fink fuchs viagra“ zeigt, dass Googles Verdacht sehr wohl Hand und Fuß hat.

Googles Cache zeigt die Details.

Hunderte von Links waren sowohl auf existierenden Seiten als auch auf extra angelegten Seiten injiziert worden und wahrscheinlich gecloaked. Der Absturz im Sichtbarkeitsindex im Juli lässt vermuten, dass zu dieser Zeit der Hack stattgefunden hat. Vielleicht ist sogar das Loch wenige Wochen zuvor auf einen weiteren Hack zurückzuführen, aber das ist pure Spekulation. Der Hack wirft natürlich ein anderes Licht auf den Relaunch. Dieser ist wahrscheinlich etwas übereilt worden, nachdem hier die Webseite einer renommierten Agentur zur unfreiwilligen Linkschleuder umgebaut worden war.

So verständlich das auch ist, so sträflich ist es auch. Um das Maß vollzumachen, hier die Suche nach „fink und fuchs„. Erneut unschöne Ergebnisse:

Alle Sitelinks im Suchergebnis verweisen auf eine 404-Seite. Hatte die alte Seite keine Rankings, dass so ein Schindluder mit dem Relaunch getrieben wird? Nein, natürlich nicht. Ein Blick auf den Sichtbarkeitsindex zeigt, ffpr.de hatte – trotz eines starken Absturzes in den letzten Wochen – eine gute Sichtbarkeit und eine Menge guter Rankings für interessante Terme; Platz 2 für „marken pr“ sticht heraus. Aber auch „unternehmenskommunikation“ (Platz 21) oder „international pr“ (Platz 14) können sich sehen lassen. Das Problem: keine der Zielseiten für diese und viele andere Keywords sind noch vorhanden oder werden weitergeleitet.

Fazit

Insgesamt ist der Relaunch ein (un)schönes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte; Hack hin oder her. Relaunches brauchen Vorarbeit und Planung, um die Sichtbarkeit einer Webseite nicht einbrechen zu lassen. Für ffpr.de ist der Schaden schon geschehen. Je nachdem, wie die Agentur noch nachsteuern wird, kann aber sicher noch Schaden von der Domain abgehalten werden.

Über Jan Saarmann

Melange aus PR-Berater, SEO-Consultant, Journalist, Bücherwurm, Gitarren-Dilettant, Kulinariker und Spiele-Liebhaber (analog wie digital). Je nach Tagesform, Zeit und Laune verschieben sich die Ausprägungen der einzelnen Bestandteile.

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